Sanierung verzögert sich voraussichtlich bis Februar 2017
Dauerbaustelle Biogebäude [01.07.16]
Seit Anfang der 90er Jahre reiht sich im Biogebäude eine Sanierungsphase nahtlos an die andere. Der Gebäudekomplex aus den 1970er Jahren soll so Schritt für Schritt den neuen gesetzlichen Brandschutzstandards angepasst werden. Der 4. Sanierungsabschnitt, der seit April 2014 im hinteren Gebäudeteil läuft, hat es besonders in sich. Ursprünglich auf anderthalb Jahre angesetzt, rechnet die Uni inzwischen damit, dass sich die Bauzeit im Minimum verdoppelt. Die Gebäudenutzer reagieren zunehmend entnervt.
Einer aktuellen Aussage des Universitätsbauamts zufolge könnte die laufende Sanierungsphase im Februar 2017 abgeschlossen sein. Doch verlässliche Einschätzungen sind derzeit schwierig. Denn die Bauarbeiten ruhen seit Mitte März wegen eines Asbestfunds (Online-Kurier berichtete).
Kleineren Maßnahmen sind zwar seit einigen Tagen wieder angelaufen. Doch ein Großteil der Baustelle kann voraussichtlich erst Anfang August wieder in Betrieb genommen werden. Da die Auftragsbücher von Baufirmen und Handwerkern sehr voll sind, ist allerdings fraglich, wann die Arbeiten tatsächlich in vollem Umfang weitergehen.
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Unverständnis der Nutzer wächst
9 Fachgebiete sind von den aktuellen Sanierungsarbeiten besonders stark betroffen. Sie mussten zum Teil in Container südlich des Biogebäudes ausweichen oder im Gebäude eng zusammenrücken. Nachrichten über immer neue Verzögerungen nehmen die Mitarbeiter mit wachsendem Unverständnis entgegen.
„Wir haben die beengte Raumsituation als Notlösung für ein bis anderthalb Jahre akzeptiert. Doch inzwischen verlieren viele Kolleginnen und Kollegen die Geduld“, berichtet Professor Heinz Breer, Dekan der Fakultät N.
Wissenschaftliche Versuche seien massiv eingeschränkt, auch Konsequenzen für die Lehre ließen sich im Wintersemester möglicherweise nicht mehr vermeiden. Betroffen seien auch große Drittmittelprojekte, bei denen die Universität Verpflichtungen mit externen Partnern eingegangen ist.
„Ich habe der Kanzlerin mehrere Beschwerdebriefe übergeben, in der Hoffnung, dass die Sicht der Betroffenen hilft, beim Universitätsbauamt die Dringlichkeit klar zu machen“, so Breer.
Auswirkungen auf Drittmittelprojekte
Zu den Leittragenden gehört etwa die Professorin Waltraud Schulze. Wichtige Labore, die ihr bei der Berufung an die Uni Hohenheim 2012 in Aussicht gestellt wurden, konnte sie bislang nicht in Betrieb nehmen – und noch immer ist dafür kein Termin absehbar.
Dabei befindet sich die junge Wissenschaftlerin eigentlich gerade in einer besonders produktiven Schaffensphase. Dank zahlreicher erfolgreicher Drittmittel-Anträge (DFG, EU, Industrie) ist ihre Arbeitsgruppe in den letzten Jahren auf 12 Personen angewachsen.
„Unser Team hätte gute Aussichten noch weitere Forschungsgelder zu akquirieren. Doch in den provisorischen Räumlichkeiten können wir schon jetzt etliche Versuche nicht wie geplant durchführen“, so Schulze. „Wie es aussieht, werde ich im Wintersemester sogar die Teilnehmerzahlen meiner experimentellen Lehrveranstaltungen reduzieren müssen. Auch Abschlussarbeiten von Studierenden könnten davon betroffen sein.“
Ziel: Bauarbeiten und Büros besser trennen
Als besonders ärgerlich empfinden viele Gebäudenutzer die schleppende Kommunikation seitens des Universitätsbauamts (Landesamt für Vermögen und Bau).
„Die deutlichen Worte der Gebäudenutzer, die mich erreichen, gebe ich ungefiltert an das Universitätsbauamt weiter“, so Kanzlerin Katrin Scheffer. „Die Probleme werden dort auch zur Kenntnis genommen. Allerdings gibt es ein strukturelles Problem: Das Universitätsbauamt ist zwar Bauherr, doch die Konsequenzen von Verzögerungen gehen fast ausschließlich zu Lasten der Universität. Ganz abgesehen von den Auswirkungen auf Forschung und Lehre müssen wir beispielsweise alleine für die Kosten der Auslagerungen und Ersatzflächen aufkommen.“
Tatsächlich seien jedoch auch die Handlungsmöglichkeiten des Universitätsbauamts beschränkt, fügt Scheffer hinzu. „Es ist schlicht und ergreifend zu wenig Geld im System, um den Immobilienbestand des Landes in angemessener Weise instand zu halten. Bundesweit liegt der Sanierungsstau an den Hochschulen im Milliardenbereich, wie ein Papier der Kultusministerkonferenz aus dem Februar 2016 bestätigt. Die logische Folge sind kleinteilige und sehr langwierige Sanierungsprojekte, wie wir sie im Biogebäude sehen.“
In den aktuellen Gesprächen zwischen Universität und Universitätsbauamt habe man sich jedoch darauf verständigt, den vorhandenen Spielraum in Zukunft besser auszuschöpfen, um kleinere Maßnahmen zu bündeln. Wann immer möglich sollen ganze Gebäudeteile in einem Durchgang saniert werden, um Bauarbeiten und Büros besser voneinander trennen zu können.
„Was die aktuelle Problematik im Biogebäude betrifft, versucht das Rektorat die Konsequenzen für die Nutzer soweit es geht abmildern“, so Scheffer. „Beispielsweise investieren wir 60.000 € in eine Miet-Kältemaschine zur Klimatisierung des Gebäudes – was nach unserer Auffassung eigentlich Aufgabe des Universitätsbauamts gewesen wäre. Außerdem suchen wir aktuell nach zusätzlichen Ausweichflächen für den Betrieb im Wintersemester. Ob wir angesichts unserer gerade im Laborbereich sehr beengten Situation allerdings erfolgreich sein werden, kann ich noch nicht absehen. Und natürlich versuchen wir, mit Nachdruck auf jede mögliche Beschleunigung bei der Fertigstellung der Baustelle beim Universitätsbauamt hinzuwirken.“
Text: Leonhardmair